Eine kleine Anleitung für's Nadelfilzen:


Das Prinzip:
Filznadeln sind Nadeln mit Widerhaken. So ähnlich wie bei einer Harpune, nur viel kleiner und die Haken zeigen in die andere Richtung. Bei der Harpune ist erwünscht, dass die Spitze leicht eindringt und die Haken das Herausziehen verhindern. 
Bei den Filznadeln möchte man beim Einstechen mit den Widerhaken die Wollfasern in den Filz schieben und die Nadel ohne Widerstand herausziehen können.

Für einen rundlichen Körper rollt man einen Batzen Wolle zusammen und das Ende der letzten überlappenden Schicht wird mit der Nadel fixiert. Nun wird rundum aus allen Richtungen in die "Kugel" gestochen, so dass sich die Form mehr und mehr verdichtet. Je mehr man an einer Stelle sticht, umso fester und tiefer wird dort der Filz. Auf diese Weise kann man die Form modelieren.

Will man eine mehrgliedrige Figur filzen, baut man sie ebenso auf, wie beim Nassfilzen und verdichtet sie gleichmässig. Beim Nadelfilzen ist es darüber hinaus möglich, weitere Teile hinzuzufügen, wenn der Körper schon nahezu fertig gefilzt ist. Dazu modeliert man den entsprechenden Körperteil vor und lässt ausreichend Wolle am Anschluss überlappen. Diese wird auf den bestehenden Körper gelegt und fest "angenadelt". Die Anschlussstelle wird unsichtbar, wenn man noch einmal eine dünne Schicht Wolle darübernadelt.

Auch gewickelte Figuren aus Märchenwolle kann man wunderbar mit der Filznadel fixieren. Dazu sticht man (wie beim rundlichen Körper) in die überlappenden Wollschichten und sichert so die empfindlichen Partien.

Beim Anfilzen kleiner Teile, Flächen, Schnüre, Punkte usw. an eine größere Fläche, oder beim Reparieren bzw. Wieder-Anheften von abgelösten Filzteilen und wenn man Details an dreidimensionalen Figuren erarbeitet, legt man die Teile übereinander und sticht mehrmals hindurch, bis die gewünschte Festigkeit erreicht ist. 
  
Vorsicht! 
Die Nadeln sind sehr spitz und da man mit etwas Schwung arbeitet, besteht Verletzungsgefahr!
Bitte beim Nadeln nie die Hand unter das Filzstück legen!
Ein Stück Schaumstoff eignet sich sehr gut als Unterlage.
Besondere Vorsicht bitte beim Filzen von Dreadlocks!!!

Eine schöne Filz-Oberfläche erreicht man, wenn man den genadelten Filz anschliessend noch einmal nass mit Seife filzt. Dabei ist es wichtig, die Seife gründlich auszuwaschen, da sie sonst die Wolle angreift. Ein Schuss Essig neutralisiert Seifenreste und bringt die Farben zum Leuchten.

Filznadeln haben eine hohe Lebenserwartung,
wenn man beim Einstechen darauf achtet, nur gerade zu stechen!

Mit Filznadeln ist es möglich, sowohl nass als auch trocken zu arbeiten. Beim "Nass-Nadeln" ist darauf zu achten, dass die Filznadeln nach getaner Arbeit wieder abgetrocknet werden, da sie sonst rosten. Ein Hauch Öl verlängert das Leben der Nadel zusätzlich. Vor dem nächsten Filzen sollte das Öl kurz abgewischt werden, damit es auf der Wolle keine Verfärbungen hinterläßt. Filznadeln sind trocken zu lagern!

Trotz all der guten Pflege: Filznadeln sind Verschleißartikel.

Ein Tipp noch zur Handhabung der Filznadeln:
Als Haltegriff kann man einen Flaschenkorken verwenden. Bewährt hat sich, ein ca. 2-3mm-Loch (längs) vorzubohren, damit die Filznadel beim Einführen nicht abbricht. Der Kork schliesst sich wieder fest um die Nadel, so dass diese nicht herausrutscht.

Buchempfehlung:
"Filzen von Tieren und Figuren - Aufgebaut und modelliert"

von Rotraud Reinhard   
Die Homepage von Rotraud Reinhard: www.filztiere.de
Die Anleitungen zum Aufbau der Figuren kann man 1:1 für's Nadelfilzen übernehmen.

eisbaer

Viel Spaß beim Filzen!
wünscht Susanne Hecht